Wol­le für den Weltrekord

In der Grund­schu­le Mahls­dorf glü­hen die Häkel­na­deln. Der Grund: Schüler*innen, Lehrer*innen sowie Freun­de und Ver­wand­te arbei­ten an einem gemein­sa­men Ziel – der längs­ten Luft­ma­schen­ket­te der Welt. Gemein­sam sind sie im Häkel­fie­ber und arbei­ten bis zum Ende des aktu­el­len Schul­jah­res auf eine Län­ge von 172 Kilo­me­tern hin. Die Akti­on wur­de bereits beim Gui­ness-Buch der Rekor­de ange­mel­det. Die Orga­ni­sa­to­rin des Pro­jek­tes, Sabri­na Fle­gel, erklärt die Hin­ter­grün­de des Weltrekordversuchs.

Wie kamen Sie auf die­se außer­ge­wöhn­li­che Idee?

Da ich selbst lei­den­schaft­lich gern häk­le, habe ich mir über­legt, wie ich die Kin­der für die­se Art von Hand­ar­beit begeis­tern könn­te. Ich dach­te mir, dass Luft­ma­schen zu häkeln als Ein­stieg leicht von den Kin­dern erlernt wer­den kann. Da wir der aktu­el­len Coro­na-Situa­ti­on etwas posi­ti­ves ent­ge­gen­set­zen wol­len, dach­te ich lan­ge über ein Pro­jekt nach. Ich befass­te mich mit dem The­ma Welt­re­kord und fand her­aus, dass es einen sol­chen bereits gibt — aller­dings mit 170 Kilo­me­tern. Das war es! Die Idee war gebo­ren. Eine ech­te Her­aus­for­de­rung in der Corona-Pandemie.

Was bedeu­tet Häkeln für Sie per­sön­lich? Und wel­chen Stel­len­wert hat Hand­ar­beit in die­sen beson­de­ren Zeiten?

Häkeln bedeu­tet für mich Krea­ti­vi­tät und Ent­span­nung. Und gera­de jetzt, zu Zei­ten der Coro­na-Ein­schrän­kun­gen ist es wich­ti­ger denn je, nicht zu über­le­gen, was alles nicht mög­lich ist, son­dern sich auf sei­ne Ideen und Fähig­kei­ten zu besinnen.

Wie reagier­ten die Schü­le­rin­nen und Schü­ler auf Ihre Idee?

Die Schüler*innen waren sofort begeis­tert und haben ihre Begeis­te­rung auch umge­hend auf ihre Eltern und Groß­el­tern über­tra­gen, denn anders lässt sich nicht erklä­ren, dass uns täg­lich zu Bäl­len zusam­men­ge­roll­te Luft­ma­schen­ket­ten errei­chen. In den Hof­pau­sen und der Frei­zeit sieht man aus allen Alters­klas­sen Kin­der, die sich begeis­tert ihre Häkel­ha­ken schnap­pen und an ihrem Ball wei­ter­ar­bei­ten. Dabei kön­nen unse­re Kin­der natür­lich auf den Min­dest­ab­stand ach­ten. Aktu­ell haben wir nach 2 Mona­ten knapp 80 Kilo­me­ter (!) geschafft.

Häkeln ver­bin­det Generationen

Was sind bei die­sem Pro­jekt die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen? Und wie lösen Sie diese?

Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist die Wol­le. Auch wenn alle noch so klei­nen, in irgend­wel­chen Kis­ten schlum­mern­den Woll­res­te ver­hä­kelt wer­den, reicht das nicht für unser Vor­ha­ben. Wir haben ver­schie­de­ne Unter­neh­men, die mit Wol­le zu tun haben, kon­tak­tiert, Ihnen von unse­rem Vor­ha­ben berich­tet und um Woll­spen­den gebe­ten. Außer­dem haben wir in unse­rem Wohn­ge­biet klei­ne Pla­ka­te mit der Bit­te um Woll­spen­den auf­ge­hängt. Eini­ge Woll­spen­den sind bereits bei uns ein­ge­gan­gen und wur­den sofort an die Kin­der und Pädagog*innen verteilt.

Wie kann man sich das vor­stel­len: Auf wel­che Wei­se kommt am Ende die 172 Kilo­me­ter lan­ge Luft­ma­sche an einem Stück zustande?

Die abge­lie­fer­ten Knäu­le wer­den von uns an einer Mess­sta­ti­on ver­mes­sen. Anschlie­ßend wer­den sie auf Bäl­le gewi­ckelt. Die Kin­der wickeln auf eine von einem Vater unse­rer Schu­le ange­fer­tig­ten Wickel­ma­schi­ne. Wenn der Welt­re­kord final ver­mes­sen wird (von einem unab­hän­gi­gen Sach­ver­stän­di­gen) müs­sen alle Knäu­le erneut abge­wi­ckelt / auf­ge­wi­ckelt wer­den, dabei wer­den dann alle Schnü­re mit­ein­an­der ver­kno­tet. Dies ist lei­der vor­her so nicht mög­lich. Da ein Rie­sen­ball unmög­lich zu trans­por­tie­ren wäre. Zur Ori­en­tie­rung: 180 km sind umge­rech­net ca. 300 Kilogramm.

Mit­ma­chen kön­nen alle unse­re Kin­der samt Eltern, Groß­el­tern, Tan­ten und Onkel.

Wer kann dabei mitmachen?

Mit­ma­chen kön­nen alle unse­re Kin­der samt Eltern, Groß­el­tern, Tan­ten und Onkel. Das ist ja gera­de das Beson­de­re an unse­rer Akti­on, dass sie die Genera­tio­nen ver­bin­det und dafür sorgt, dass sich ins­be­son­de­re älte­re Men­schen wie­der gebraucht füh­len und mit Begeis­te­rung an der Ver­wirk­li­chung einer Idee mit­wir­ken können.

Wel­che Ver­wen­dung fin­det die vie­le Wol­le am Ende der Aktion?

Wir haben bereits Ideen, wie wir die Unmen­gen an Wol­le sinn­voll ver­wen­den kön­nen. Unser Haupt­ziel wird die Her­stel­lung von Decken sein, die wir an Kin­der­hos­pi­ze / Senio­ren­ein­rich­tun­gen spen­den. Vor­stell­bar wäre auch eine Ver­stei­ge­rung in unse­rer Schu­le, um anschlie­ßend das Geld zu spen­den. Aber auch hier wer­den wir noch eine Umfra­ge unter den Eltern machen und sie bit­ten, ihre Ideen für die Ver­ar­bei­tung einzubringen.

 

Vie­len Dank für die tol­len Ein­bli­cke in das Pro­jekt. Wir drü­cken wei­ter­hin die Daumen!